Familiäres und genetisches Risiko

Bei gut 20% der Personen, die an Darmkrebs erkranken, wurde in der Familie oder der weiteren Verwandtschaft bereits ein Dickdarmpolyp oder Dickdarmkrebs diagnostiziert. Das zeigt deutlich, dass eine familiäre Häufung bei Dickdarmkrebs Tatsache ist. Aus diesem Grund spielt die Familienanamnese eine zentrale Rolle. Hatten in der Familie schon erstgradig Verwandte Darmkrebs, ist das Risiko, einen Krebs zu bekommen, erhöht, vor allem dann, wenn beim Verwandten der Darmkrebs bereits vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten ist. Es konnte gezeigt werden, dass Leute ein doppeltes Risiko haben, an einem Darmkrebs zu erkranken, wenn sie Verwandte ersten Grades mit einem Darmkrebs haben, wenn also ihre Eltern oder Geschwister bereits einen Darmkrebs hatten. Dieses Risiko ist sogar dreifach erhöht, wenn der Verwandte bereits im Alter vor 50 Jahren einen Darmkrebs hatte, oder wenn beide Elternteile an Darmkrebs litten, oder ein Geschwister vor dem 60. Lebensjahr bereits am Darmkrebs erkrankte.

Seltener gibt es auch erblich bedingte Formen von Karzinomen:
Aus dieser Gruppe ist das HNPCC (engl. Abkürzung für  Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer = Lynch-Syndrom) die wichtigste, das 5% - 7% aller Dickdarmerkrankungen ausmacht. Träger des Gens, das HNPCC auslöst, haben ein 50% (bei der Frau) bis 80% (beim Mann) hohes Risiko im Laufe ihres Lebens an Darmkrebs zu erkranken. Das Auftrittsalter ist deutlich tiefer als bei der nicht erblichen Variante des Darmkrebses. Diese Leute haben auch eine massiv erhöhte Gefährdung, an anderen Krebsarten, wie Gebärmutterkrebs bei der Frau oder Krebs des Magens, der Bauchspeicheldrüse oder der Urogenitalorgane zu erkranken.

Am zweithäufigsten tritt das FAP (Abkürzung für familiäre adenomatöse Polyposis) auf. Bei diesem Typ treten schon in jungen Jahren im Darm Hunderte von Polypen auf, die zuerst gutartig sind und sich dann im Laufe der Zeit in bösartige Tumore umwandeln. Personen, bei denen eine FAP festgestellt wird, haben eine beinahe 100%ige Wahrscheinlichkeit schon sehr früh, das heisst teils schon mit 20 Jahren mit der Diagnose Darmkrebs konfrontiert zu werden. Bei beiden familiären Tumorformen sind frühe und regelmässige Vorsorgeuntersuchungen von entscheidender Bedeutung. Oft kann man auch mittels molekularbiologischer Tests bestimmen, ob man Träger einer dieser erblichen Erkrankung ist. Welche Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind, sollte bei diesen Spezialsituationen mit einem Spezialisten besprochen werden.

An diese zwei Krankeitsbilder muss gedacht werden, wenn in der Familie Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr aufgetreten ist oder in der Familie die Diagnose eines Harnleitertumors, Gebärmutter,- oder Dünndarmkrebs gestellt wurde. In diesem Fall sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden, weil Sie eine ärztliche Beratung und Untersuchung benötigen.

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